Laktoseintoleranz

2.5.2026

Laktoseintoleranz ist heute vor allem unter dem Begriff Milchzuckerunverträglichkeit ein weit verbreitetes Übel. Die mit der Nahrung aufgenommenen Laktose (Milchzucker), kann wegen dem fehlenden Verdauungsenzym Laktase nicht verdaut werden.

Alle Säugetiere, somit auch der Mensch, bilden während der Stillzeit das Enzym Laktase. Nach der Entwöhnung von der Muttermilch reduziert sich die Aktivität der Laktase beim Säugling auf nur noch 5-10 %. In früheren Zeiten konnte ein Mensch im Erwachsenenalter keine Milch mehr verdauen. Bei Völkern, in denen seit langer Zeit Milchwirtschaft betrieben wird, hat sich eine Mutation durchgesetzt, dass auch im Erwachsenenalter noch genügend Laktase produziert wird. Es bestehen aber grosse ethnische Unterschiede. In der weissen Bevölkerung Europas, Nordamerikas und Australien sind nur ungefähr 5-20% von einem Laktasemangel betroffen. Bei den Afroamerikanern, den Schwarzafrikanern und den Asiaten sind es bis zu 95 % Betroffene.

Der Milchzucker ist ein Disaccharid und besteht aus den zwei Monosacchariden Glucose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Laktose als Ganzes kann vom Körper im Darm nicht aufgenommen werden. Er benötigt die Spaltung in die zwei Monosaccharide durch das Enzym Laktase, welches im Dünndarm gebildet wird. Erst in diese kleinen Zucker zerlegt, kann sie der Körper aufnehmen und verwerten.

Es gilt zu unterscheiden…

Laktasemangel: es ist eine verminderte Menge des Enzyms Laktase im Dünndarm vorhanden.

-       Angeborener Laktasemangel: dies ist eine genetisch bedingte Krankheit, die sehr selten auftritt. Den Betroffenen fehlt das Enzym bereits bei der Geburt komplett und es zeigen sich schon im frühesten Säuglingsalter massive Beschwerden.

-       Primärer Laktasemangel: tritt sowohl bei Kleinkindern als auch bei Jugendlichen auf. Diese Personen verfügen bei der Geburt das Enzym im Dünndarm, aber die Produktion reduziert sich zu früh und zu schnell.

-       Sekundärer Laktasemangel: tritt zum Beispiel nach Darminfektionen, entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn), Bestrahlung, Medikamenten, usw. auf. Diese Faktoren schädigen oft die Dünndarmschleimhaut, was eine verminderte Laktaseproduktion verursacht. Je nach Grundproblematik kann diese Variante auch nur vorübergehend sein.

Laktasemalabsorption: beschreibt eine unvollständige Laktoseverdauung im Dünndarm (mal = schlecht, Absorption = Aufnahme über die Darmwand in den Körper). Ursache in diesem Fall kann ein Laktasemangel sein, oder wenn die Nahrung den Dünndarm zu schnell passiert. Somit bleibt zu wenig Zeit für eine komplette Spaltung des Milchzuckers und dieser kann dadurch schlecht aufgenommen werden.

Laktoseintoleranz: definiert eine durch Laktasemangel oder Laktasemalabsorption hervorgerufene Unverträglichkeit gegenüber Milch und Milchprodukten. Nicht zu verwechseln mit einer echten Allergie auf Milchbestandteile (z.B. Milcheiweiss).

Nachweis einer Unverträglichkeit

Die einfachste Art eine Milchzuckerunverträglichkeit nachzuweisen, ist ein sogenannter Diättest. Dabei werden 1-2 Wochen konsequent auf laktosehaltige Nahrungsmittel verzichtet. Nebst Milch, Käse und Joghurt, sind vor allem die versteckten Quellen zu beachten. Viele Fertigprodukte enthalten Laktose. Ist man in dieser Zeit beschwerdefrei, so erhärtet sich der Verdacht, dass eine Lakoseintoleranz besteht.

Eine weitere Möglichkeit ist der Expositionstest. Hier wird nach einigen Tagen Laktoseverzicht ein Glas Wasser mit 50-100g gelöstem Michzucker getrunken. Zeigen sich nach wenigen Stunden die typischen Symptome, ist eine Intoleranz sehr wahrscheinlich.

Eine aufwendigere Methode ist der H2-Atemtest. Da bei laktoseintoleranten Personen der Milchzucker im Dickdarm bakteriell unter anderem zu Wasserstoff (H2) abgebaut wird, kann man diesen dann in der Ausatmungsluft nachweisen. Auch durch Analysen von Blut- oder Gewebeproben können Nachweise gemacht werden.

Symptome

Die Beschwerdebilder bei Laktoseintoleranz sind sehr variabel und von Person zu Person unterschiedlich. Je nach dem reichen kleinste Mengen von laktosehaltigen Nahrungsmitteln, um Reaktionen auszulösen. Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen

Es können sich aber auch unspezifischere Symptome zeigen, bei denen man zuerst gar nicht an diese Problematik denkt:

  • chronische Müdigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • Gliederschmerzen
  • Innere Unruhe oder Schlafstörungen
  • Schwindelgefühl oder Schweissausbrüche
  • Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen

Therapiemöglichkeiten

Als Grundregel bei einer Laktoseintoleranzbehandlung gilt, eine mehr oder weniger strenge Diät einzuhalten. Das heisst, man verzichtet ganz oder teilweise auf Milch und Milchprodukte, sowie laktosehaltige Fertigprodukte. Es gibt heute viele laktosefreie Milchprodukte-Linien, welche in Bio-Fachgeschäften oder Grossverteilern erhältlich sind. Wichtig ist, dass trotz der Diät, auf eine genügende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D geachtet wird.

Wenn keine starke Intoleranz vorhanden ist, kann man in dosiertem Masse auch Sauermilchprodukte und Hartkäse (allgemein gilt je härter der Käse, desto weniger Laktose enthält er) konsumieren. An die verdaubare Menge kann man sich langsam herantasten.

Ist man jedoch zu einem feinen Nachtessen eingeladen oder möchte auch mal „auswärts“ essen, gibt es Medikamente, welche das Enzym Laktase enthalten und somit eine gesunde Verdauung ermöglichen.