Johanniskraut

8.10.2026

Johanniskraut - Geschichte

Dem Kraut wurde seit jeher einen engen Bezug zum Licht und zur Sonne zugedacht. Um die Sonnenwende am 24. Juni beginnt das Johanniskraut zu blühen. Deshalb nennt man die Pflanze im Deutschen zum Teil auch Sonnwendkraut. Mit grosser Wahrscheinlichkeit nannten sie die Kelten Selago, das goldenen Kraut. Dieses Volk verehrte das Johanniskraut, das auch von Wichtigkeit für die Feste rund um die Sonnwende war. Jahrhundertelang hat man Kränze mit Johanniskraut und anderen Kräutern gebunden, zum Schutz vor Krankheiten und Unheil.

Ihren lateinischen Namen, Hypericum perforatum, verdankt die Pflanze dem griechischen Titan Hyperion (= der Obere), er war der Titan des Lichtes. Es gibt aber auch die Theorie, dass der Name vom griechischen „hyper“ (=super) und „eikona“ (= Bild) stammt. Dies bedeutet frei übersetzt so viel wie „über jede Vorstellung, jedes Bild hinaus gehend“, also die grosse Heilwirkung der Pflanze aufzeigend. Perforatum bedeutet „durchlöchert“ und weist auf die, wie mit feinen Nadeln, durchstochenen Blätter hin. Wenn man ein Blatt gegen das Sonnenlicht hält, sieht man die kleinen, vermeintlichen Löcher.

Der christlichen Kirche war das heidnische Fest der Sonnenwende immer ein Dorn im Auge. Deshalb legte man den Namenstag von Johannes dem Täufer auf den 24. Juni und nannte ihn forthin Johannistag. Die bekannten Bräuche wurden einfach übernommen und der Feiertag gab Hypericum perforatum einen neuen Namen, sowohl im Deutschen Johanniskraut, wie auch im Englischen Saint Johns.

Die Wirkung vom Johanniskraut wurde schon im ersten Jahrhundert n. Chr. in den Werken von Dioscurides und Plinius beschrieben. Schon früh erkannte man die heilende Wirkung bei Brandwunden und anderen Verletzungen.

Johanniskraut – Botanik und Wesen

Während der Blütezeit von Juni bis September strahlen die Blüten goldgelb. Gerade wenn die Tage am längsten sind, beginnt das Johanniskraut zu blühen und nimmt sinnbildlich die ganze Kraft der Sonne auf. Im Winter, während der dunkleren Zeit, hilft Johanniskraut vielen Menschen über Verstimmungszustände hinweg. Wenn man die Blütenblätter zwischen den Fingern zerreibt, tritt ein dunkelroter Saft aus, der dem Johannisöl und der Urtinktur seine typische Farbe verleiht. Die Blüten sehen, von oben betrachtet, wie kleine Windräder aus. Die Blütenblätter sind leicht gedreht, wobei einige Blüten rechtsdrehend und andere linksdrehend sind, was eine Ausnahme in der Pflanzenwelt darstellt. Diese Einzigartigkeit stellt ein Gleichgewicht her – hier zwischen links und rechts - was im übertragenen Sinn auf ein «In-der-Mitte-stehen» hindeutet. Die Pflanze wird ca. 60 cm hoch und besitzt einen harten Stängel mit zwei Längskanten, was in der Pflanzenwelt auch eher selten vorkommt. Obwohl die Pflanze eher filigran wirkt, zeigt sich uns doch ein Bild von Stabilität und Gleichgewicht. Die Blätter weisen zahlreiche Öldrüsen auf, welche das helle ätherische Öl enthalten.

Wenn man ein Blatt gegen das Sonnenlicht hält, sieht man die kleinen, vermeintlichen Löcher.

Johanniskraut – Wirkung

Schlussendlich setzt man Johanniskraut bei Depressionen, Angstzuständen, nervöser Unruhe und nervösen Erschöpfungszuständen ein. Weiter hilft es bei Schnitt – und Stichwunden, Nervenverletzungen (zum Beispiel bei Schnittwunden an Fingerspitzen), Ischias, Rückenschmerzen und leichten Verbrennungen. Man verwendet die Blüten, Blätter und den Stängel der Pflanze als Tee, Urtinktur, spagyrische Essenz, homöopathisch, das Extrakt in Tablettenform und äusserlich als Johannisöl.

Johanniskrautpräparate in Tablettenform sollten nicht zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten (z. B. orale Kontrazeptiva und blutverdünnende Mittel auf Cumarinbasis) eingenommen werden, da deren Wirkung vermindert werden kann. Bei einer Beratung werden die Kunden vor dem Kauf darauf aufmerksam gemacht. nbk