Ob Arzneimittel, Hausspezialitäten, Naturheilmittel oder Gesundheitsberatung: Das Angebot und die Beratung in den Drogerien sind einmalig. Eine Drogistin und ein Drogist geben Einblick in ihren abwechslungsreichen Beruf.
Von Sabine Reber, vitagate ag/Schweizerischer Drogistenverband
Kaum eine Berufsgattung ist so vielseitig und bietet so viel Spielraum für eigene Kreativität und Innovation wie der Drogistenberuf. Ein Besuch in zwei Drogerien zeigt dabei das breite Spektrum ihres Wirkungsgebietes. Patrick Thurner ist dipl. Drogist HF und Inhaber der Dorfdrogerie im Bündnerischen Savognin, die er in zweiter Generation leitet. Mit Leidenschaft pröbelt er an neuen Rezepturen für Hausspezialitäten, wobei seine Drogerie hauptsächlich für die selbst hergestellten Kosmetikprodukte sowie für die Naturheilmittel bekannt ist. Wichtig sind die Edelweissfelder, die von seiner Mutter angebaut und gepflegt werden. Im Sommer helfen Familie und Team nach der Arbeit beim Pflücken. Bei den Hausmitteln nach eigener Rezeptur kommen nebst den Edelweissblüten auch Murmeltierfett und andere Naturprodukte wie Arve oder Bergkristall zum Einsatz.
Der Bestseller in Savognin ist eine Sportsalbe. Ebenso beliebt ist der preisgekrönte Röteli Likör nach einem geheimen Familienrezept. Auch Kräutertees und Bademischungen werden eigenhändig vom Team in der Drogerie hergestellt. «Bei uns ist alles echt und authentisch, das wissen die Kundinnen und Kunden sehr zu schätzen», sagt Thurner stolz.
Neben den vielen eigenen Produkten bietet Patrick Thurner auch das ganze klassische Drogeriesortiment an, von Selbstmedikation und Naturheilmitteln über Verbandsmaterial bis zu Spezial-Reinigungsprodukten. Die einheimische Bevölkerung sei froh über das breite Angebot, während die Feriengäste gerne eine Erinnerung aus dem Bündnerland mit nach Hause nehmen. Der Drogist mit Leib und Seele betont, wie wichtig Eigeninitiative und Unternehmertum seien, und dass man sich seine eigene Nische erschaffen müsse, um mit einer kleinen Drogerie im Berggebiet Erfolg zu haben.
Auch die Drogistin Pascale Robinson ist mit viel Herzblut in ihrem Beruf tätig. Sie konnte gleich nach der Ausbildung an der Höheren Fachschule in Neuenburg die Swidro-Drogerie in Nidau bei Biel übernehmen. «Zu jedem Produkt, das wir im Laden haben, können wir eine fundierte Beratung anbieten», sagt sie stolz, und betont, wie breit gefächert das Wissen der Drogistinnen und Drogisten ist: «Wir sind wichtige Player im Gesundheitssystem. Und wir entlasten Hausarztpraxen und die Notfallstationen.» Für die Versorgungssicherheit komme den Drogerien eine grosse Rolle zu, insbesondere mit den Arzneimitteln, die sie selbst herstellen. «Wir sind flexibel und können improvisieren und gute Alternativen finden, wenn mal nicht alles lieferbar ist», so die Drogistin. Besonders während der Pandemie habe sich gezeigt, was den Drogerien für eine wichtige Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung zukomme.
Auch die Hausspezialitäten der beiden Drogerien in Nidau und Täuffelen werden geschätzt. Pascale Robinson erzählt, dass neue Produkte oft im Team entwickelt würden, «wir machen kreative Sitzungen und pröbeln, bis es für alle stimmt.» Egal ob Hustensirup, Erkältungssaft
oder Verdauungstropfen – die entwickelten Produkte seien beliebt bei der Kundschaft. Nahrungsergänzungsmittel individuell auf die Kundschaft abstimmen oder Blutdruck messen gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Drogerie. Und auch technische Produkte für die Fleckenentfernung bis hin zur Schädlingsbekämpfung könne man in der Drogerie kaufen und sich dazu beraten lassen.
Pascale Robinson und ihr Team veranstalten zudem gerne Themenanlässe für die Kundschaft. Zum Beispiel laden sie eine Make-up-Spezialistin für einen Schminkanlass ein. Die Kundinnen und Kunden schätzen das Persönliche und freuen sich, wenn sie mit Namen angesprochen werden. Die Drogistin erzählt: «Das Vertrauensverhältnis ist in der Drogerie enorm wichtig. Wenn wir jemanden besser kennen, haben wir manchmal aus dem Kontext eine Idee, was auch noch helfen könnte.»